2G-Abschaltung 2028
2G-Abschaltung 2028: Was Betreiber von Bestandsanlagen jetzt planen müssen
Die deutschen Netzbetreiber haben ihre Abschalttermine konkretisiert. Für Anlagen mit GSM-Modulen läuft die Uhr — und 2028 klingt weit weg, ist es aber nicht.
Vom Komfortthema zum Pflichttermin
Lange Zeit war die 2G-Abschaltung in Deutschland ein abstraktes Thema. Während die Schweiz, die USA und andere Länder ihre GSM-Netze längst abgeschaltet haben, schien Deutschland sich Zeit zu lassen. Das hat sich geändert. Die Telekom hat die Abschaltung ihres 2G-Netzes für den 30. Juni 2028 angesetzt. Vodafone hat seinen ursprünglich für Ende 2030 geplanten Termin im September 2025 deutlich vorgezogen — auf September 2028. Lediglich für besonders kritische IoT-Anwendungen lässt Vodafone das Netz noch bis Ende 2030 weiterlaufen. Telefónica (O2) hat sich bislang nicht öffentlich auf einen Termin festgelegt, dürfte aber kurz nach den Mitbewerbern folgen.
Damit ist die Frage nicht mehr ob, sondern wie schnell Bestandsanlagen migriert werden müssen. Und wer 2028 als entfernten Termin abtut, unterschätzt die operativen Realitäten: Hardware-Auswahl, Felderprobung, Beschaffung, Antennen-Anpassungen, Vor-Ort-Tausch durch Servicetechniker, Anpassung von Leittechnik und VPN-Konfigurationen. Bei verteilten Anlagen mit hunderten oder tausenden Standorten ist das ein Mehrjahres-Projekt.
CT-Router NG LTE Cat 6
Der Unterschied zur 3G-Abschaltung
Wer die 3G-Abschaltung 2021 noch in Erinnerung hat, sollte aufpassen: Damals konnten viele Geräte als Rückfallebene auf das langsamere 2G-Netz wechseln. Wenn ein Modem 3G nicht mehr fand, blieb es zumindest über GSM/GPRS erreichbar. Diese Rückfallebene gibt es 2028 nicht mehr. Mit dem Abschalten von 2G fällt die letzte Schutzschicht für reine GSM-Module weg. Ein altes Modem ohne LTE-Unterstützung wird ab 30. Juni 2028 schlicht keine Verbindung mehr aufbauen können.
Das ist die wichtige Botschaft, die in vielen Diskussionen untergeht: Es geht nicht um eine schrittweise Verschlechterung der Funkqualität, sondern um einen harten Schnitt. Anlagen, die nicht rechtzeitig modernisiert sind, sind ab Stichtag offline.
Telekom
30. Juni 2028
Vollständige Abschaltung des 2G-Netzes. Frequenzen gehen an LTE und 5G. Keine Sonderregelungen für IoT-Anwendungen kommuniziert.
Vodafone
September 2028
Vorgezogen von ursprünglich Ende 2030. Für kritische IoT-Anwendungen bleibt das Netz bis Ende 2030 zugänglich — auf Anfrage.
Telefónica (O2)
Offen
Kein offizieller Abschalttermin kommuniziert. Es ist davon auszugehen, dass die Abschaltung kurz nach den beiden anderen Netzen folgt.
Wer in der Praxis betroffen ist
Die installierte Basis von 2G-Modulen in Deutschland ist groß und über viele Branchen verteilt. Die Anwendungen, die hier in den nächsten zwei Jahren auf die Migrations-Agenda kommen, lassen sich in zwei Cluster einteilen.
Im kommunalen und versorgungstechnischen Bereich
Pumpstationen mit Fernwirktechnik über GPRS, Trafostationen mit Schutzgerät-Telemetrie, Druckerhöhungsstationen, Wasserzähler-Konzentratoren, Steuerungen für Straßenbeleuchtung, Verkehrstechnik, Notrufsäulen, Rundsteuerempfänger mit Mobilfunk-Backhaul. Vieles davon wurde in den 2010er-Jahren mit Cinterion-, Telit- oder Sierra-Wireless-Modulen aufgebaut, läuft seitdem stabil — und genau diese Stabilität führt dazu, dass die Anlagen oft nicht mehr aktiv im Bewusstsein der Betreiber sind.
Im industriellen Bereich
Maschinen mit Fernwartungsmodul, Aufzugnotruftechnik, Alarmanlagen mit Mobilfunk-Aufschaltung, Container-Tracking, Behälter-Überwachung, Tankfüllstandsüberwachung, GPS-Tracker in Fahrzeugflotten, Bezahlsysteme an Vending-Maschinen. Hier ist die installierte Basis oft beim Endkunden im Feld — der Maschinenbauer weiß zwar, dass er vor zehn Jahren GSM verbaut hat, hat aber häufig keinen direkten Überblick über den heutigen Status der Geräte.
In beiden Clustern gilt: Die erste Aufgabe vor jedem Migrationsprojekt ist eine ehrliche Bestandsaufnahme. Welche Module sind verbaut, in welchen Anlagen, mit welchen SIM-Verträgen, mit welchen Antennen, mit welcher Anbindung an die Leittechnik. Ohne diese Inventur bleibt jede Migrationsplanung Spekulation.
2028 klingt weit weg. Bei einer Migration über mehrere hundert Standorte ist es das Gegenteil — wer Mitte 2026 nicht mit der Planung anfängt, wird es eng haben.
Welche Mobilfunktechnologie für welchen Zweck
Bei der Migration steht selten ein 1:1-Tausch im Vordergrund — die Frage ist eher, welche Technologie heute die richtige Wahl für die nächsten 10 bis 15 Jahre Anlagenlebensdauer ist.
LTE Cat 4 für klassische Telemetrie und Fernwartung
Für Anwendungen mit moderaten Datenraten — Fernwirktechnik, einfache Maschinen-Telemetrie, periodische Datenübertragung — ist LTE Cat 4 mit bis zu 150 Mbit/s im Downlink der bewährte Standard. Reife Module, breite Verfügbarkeit, gut für die Mehrzahl klassischer 2G-Migrationsfälle.02 — Höhere Bandbreiten
LTE Cat 6 für anspruchsvollere Anwendungen
Wo höhere Bandbreiten gefragt sind — Fernwartung mit Bildübertragung, mehrere parallele VPN-Tunnel, Edge-Anwendungen mit Cloud-Anbindung, Software-Updates über die Luft — ist LTE Cat 6 die deutlich zukunftssicherere Wahl. Bis zu 300 Mbit/s, Carrier Aggregation, bessere Performance auch bei schwacher Funkversorgung.
03 — Zukunftssicher
5G für Neuinvestitionen mit langem Horizont
Wer heute eine vollständig neue Infrastruktur aufbaut oder eine Modernisierung als strategische Investition versteht, sollte direkt 5G mitdenken. Die 4G-Generation wird in 10 bis 15 Jahren denselben Migrations-Druck erleben wie 2G heute. 5G-fähige Hardware vermeidet diese nächste Tausch-Kampagne.
04 — Spezialfall
NB-IoT und LTE-M für reine Sensorik
Für sehr energiesparende Anwendungen mit minimaler Datenrate — batteriebetriebene Sensoren mit jahrelanger Laufzeit, einzelne Wasserzähler — sind NB-IoT und LTE-M die richtige Wahl. Diese Technologien adressieren einen anderen Markt als klassische Industrierouter und werden meist über Spezialanbieter realisiert.
450 MHz für die kritische Infrastruktur
Für Versorgungsbetreiber unter KRITIS-Auflagen entsteht aktuell ein eigenes Netz auf 450 MHz mit hoher Gebäudedurchdringung und Schwarzfallfestigkeit. Erfordert spezielle Hardware mit 450-MHz-Frontend und ist nicht für jede Anwendung sinnvoll — aber für klar definierte KRITIS-Szenarien eine ernsthafte Option.Welcher Pfad passt zu Ihrer Anwendung?
Die Entscheidung zwischen LTE Cat 4, Cat 6 und 5G hängt von Datenraten, Anlagen-Lebensdauer und Investitionshorizont ab. Wir beraten Sie gerne zur passenden Hardware-Auswahl für Ihren Migrationsplan.Migration ist mehr als Geräte-Tausch
Wer eine 2G-Migration als reinen Hardware-Austausch plant, unterschätzt den Aufwand. In der Praxis kommen mehrere Punkte hinzu, die jeweils Zeit und Vorbereitung kosten.
Antennen prüfen und gegebenenfalls tauschen
Alte 2G-Antennen sind oft schmalbandig auf die 900-MHz-Frequenzen ausgelegt und decken die LTE-Bänder nicht oder nur schlecht ab. LTE-Router profitieren zudem deutlich von MIMO-Antennen mit zwei Anschlüssen. Wer beim Geräte-Tausch die alte Antenne weiter nutzt, verschenkt häufig Empfangsleistung — gerade in Schaltschränken oder schwierigen Funklagen.
Empfang vor Ort messen
Eine grüne Versorgungskarte des Netzbetreibers heißt nicht automatisch zuverlässiger Empfang am konkreten Standort. Schaltschrank-Innenräume, Kellergeschosse, Pumpwerksbauwerke, Trafohäuschen — überall dort dämpft das Mauerwerk das Signal teils erheblich. Vor der Migration sollte an jedem Standort tatsächlich gemessen werden, ob die geplante Konfiguration funktioniert oder eine Außenantenne notwendig wird.
SIM-Karten prüfen
Manche Mobilfunkanbieter haben begonnen, neue SIM-Karten ohne 2G-Profil auszuliefern. In Bestandsanlagen kann es sein, dass eine SIM nach einem Tausch nicht mehr ins LTE-Netz findet, weil die Konfiguration nicht passt. Roaming- oder Multi-IMSI-SIMs sind hier besonders sensibel.
Leittechnik und VPN anpassen
Höhere Datenraten bedeuten oft, dass Leittechnik-Polling-Intervalle, Timeouts oder Bandbreiten-Reservierungen neu konfiguriert werden müssen. VPN-Tunnel zur Zentrale müssen aufgesetzt oder erweitert werden. Wer das beim Rollout vergisst, riskiert Anlagen, die zwar verbunden sind, aber im Leitsystem fehlerhaft erscheinen.
Lieferzeiten und Beschaffung einplanen
Mit zunehmendem Migrations-Druck steigt die Nachfrage nach Industrieroutern erfahrungsgemäß deutlich an. Wer 2028 erst zu beschaffen beginnt, riskiert lange Lieferzeiten in einer angespannten Marktlage. Frühe Bestellungen mit gestaffelten Abrufen sind die deutlich sicherere Strategie.
Die übersehene Chance: Modernisierung als Strategie
Die 2G-Abschaltung wird oft als unangenehmer Pflichttermin betrachtet. Tatsächlich ist sie eine seltene Gelegenheit, eine über Jahre gewachsene Infrastruktur an einem Stichtag systematisch zu erneuern. Wer das richtig anpackt, gewinnt mehr als nur einen Mobilfunk-Standard:
Aktuelle Sicherheitsarchitektur statt veraltete GSM-Geräte ohne Update-Pfad. Verschlüsselte Verbindungen statt Klartext-Übertragung über GPRS. Fernwartungs-Fähigkeiten, die mit alten Modems schlicht nicht möglich waren. Und vor allem: eine Hardware-Generation, die für das nächste Jahrzehnt trägt — wenn sie richtig gewählt wird.
Genau hier wird die Wahl zwischen LTE Cat 4, Cat 6 und 5G zur strategischen Entscheidung. Die günstigste Variante ist nicht zwangsläufig die wirtschaftlichste, wenn sie den nächsten Migrations-Zyklus in 8 bis 10 Jahren auslöst.
Zwei Industrierouter für jeden Migrationspfad
Wir bieten zwei aufeinander abgestimmte Mobilfunk-Router für die 2G-Migration — abhängig davon, welche Bandbreiten Sie heute brauchen und welchen Zeithorizont Sie für die nächste Modernisierung im Kopf haben.
CT-Router NG LTE Cat 6
Für anspruchsvollere Anwendungen und Migrationsprojekte mit langem Investitionshorizont. Bis zu 300 Mbit/s im Downlink, Carrier Aggregation, deutlich bessere Performance auch bei schwacher Funkversorgung.
- LTE Cat 6 mit bis zu 300 Mbit/s
- Carrier Aggregation
- VPN-Funktionalität integriert
- Hutschienen-Montage
- Made in Germany
CT-Router LTE Cat 4
Für klassische Telemetrie- und Fernwartungsanwendungen mit moderaten Datenraten. Bewährte Hardware-Plattform, breite Verfügbarkeit, das richtige Werkzeug für die Mehrzahl der Standard-Migrationsfälle.
- LTE Cat 4 mit bis zu 150 Mbit/s
- VPN-Funktionalität integriert
- Hutschienen-Montage
- Made in Germany
Den Termin nicht unterschätzen
Die 2G-Abschaltung wird kommen, und sie wird Anlagen treffen, die heute völlig unauffällig laufen. Der harte Stichtag ohne Rückfallebene macht das Thema zu einer Aufgabe, die man nicht in den letzten Monaten vor 2028 erledigen kann.
Realistisch geplant heißt: Mitte 2026 mit der Bestandsaufnahme beginnen, 2027 die Migration durchziehen, Anfang 2028 als Puffer für Nachzügler nutzen. Wer diesen Korridor verpasst, läuft Gefahr, dass kritische Anlagen ab Sommer 2028 schlicht nicht mehr erreichbar sind.
Wenn Sie vor dieser Aufgabe stehen, hilft eine frühe Klärung der Hardware-Strategie. Die Wahl zwischen LTE Cat 4, Cat 6 oder direkt 5G entscheidet, wann Sie diese Aufgabe das nächste Mal auf dem Tisch haben.
